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Forschung & Analyse 7. März 2026 9 Min. Lesezeit

Googles Zero-Day-Bericht 2025: 90 ausgenutzte Schwachstellen, Angriffe auf Unternehmen nehmen stark zu

Die jährliche Zero-Day-Analyse der Google Threat Intelligence Group zeigt, dass im Jahr 2025 90 Schwachstellen aktiv ausgenutzt wurden – fast die Hälfte davon richtete sich gegen Sicherheitsprodukte für Unternehmen, Netzwerkgeräte und Cloud-Infrastruktur. Spyware-Anbieter und mit China verbundene APTs dominieren die Zuordnungen. Gleichzeitig verdeutlichen ein Datendiebstahl im Gesundheitswesen mit 3,4 Millionen betroffenen Patienten und neue Kampagnen mit dateiloser Malware, warum kontinuierliche Schwachstellenscans längst unverzichtbar sind.


📊 Googles Zero-Day-Landschaft 2025: die wichtigsten Zahlen

💡 Jährliche Zero-Day-Erfassung durch GTIG

Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) erfasst jedes Jahr Zero-Day-Schwachstellen, die aktiv ausgenutzt werden. Der Bericht für 2025 dokumentiert mit 90 bestätigten, ausgenutzten Zero-Days einen der höchsten Werte seit Beginn der Aufzeichnungen – gegenüber 73 im Jahr 2024 und nahe dem Höchststand von 97 aus dem Jahr 2021.

Die Verlagerung auf Unternehmen

Die bedeutendste Erkenntnis: Etwa 45 der 90 Zero-Days (50 %) zielten direkt auf Unternehmensprodukte und nicht auf Endgeräte von Verbrauchern. Dies stellt eine drastische Veränderung gegenüber früheren Jahren dar, in denen Browser und mobile Betriebssysteme die Zero-Day-Angriffslandschaft dominierten.

Kategorie Zero-Days (2025) Anteil Trend gegenüber 2024
Sicherheitsprodukte für Unternehmen ~20 22 % 🔺 Deutlich gestiegen
Netzwerk-/VPN-Geräte ~15 17 % 🔺 Gestiegen
Cloud-/SaaS-Plattformen ~10 11 % 🔺 Gestiegen
Mobile Betriebssysteme (iOS/Android) ~18 20 % 🔻 Gesunken
Browser ~12 13 % 🔻 Gesunken
Desktop-Betriebssysteme ~15 17 % ➡️ Stabil

Zuordnung: Wer nutzt Zero-Days aus?

Weniger als die Hälfte der 90 Zero-Days konnte konkreten Bedrohungsakteuren zugeordnet werden, doch die führenden Gruppen zeichnen ein klares Bild:

⚠️ Führende Zero-Day-Akteure im Jahr 2025

1. Kommerzielle Spyware-Anbieter – NSO Group, Intellexa und neuere Marktteilnehmer dominieren weiterhin die Ausnutzung von Zero-Days und sind für rund 30 % der zugeordneten Zero-Days verantwortlich.
2. Mit China verbundene APT-Gruppen – Mehrere staatlich unterstützte chinesische Gruppen (Salt Typhoon, Volt Typhoon, APT41) nutzten auf Unternehmen ausgerichtete Zero-Days aus, die Netzwerkgeräte und Cloud-Plattformen betrafen.
3. Mit Russland verbundene Gruppen – Konzentrierten sich hauptsächlich auf ukrainische und europäische Ziele und nutzten dabei Zero-Days in Microsoft-Produkten.
4. Nordkorea – Geht zunehmend ausgefeilt vor und zielt auf Kryptowährungsplattformen und Entwicklerwerkzeuge.

Warum Unternehmensprodukte jetzt das Hauptziel sind

Mehrere Faktoren erklären die Verlagerung auf Unternehmensziele:


🏥 TriZetto-Datendiebstahl im Gesundheitswesen: Daten von 3,4 Millionen Patienten offengelegt

⚠️ Massive Offenlegung von Gesundheitsdaten

TriZetto Provider Solutions (eine Tochtergesellschaft von Cognizant) meldete einen Datendiebstahl, der 3.433.965 Personen betrifft. Die Angreifer hatten fast ein Jahr lang unbefugten Zugriff – von November 2024 bis Oktober 2025.

Zeitlicher Ablauf des Vorfalls

Datum Ereignis
19. November 2024 Unbefugter Zugriff beginnt
2. Oktober 2025 Verdächtige Aktivität wird erkannt
9. Dezember 2025 Betroffene Leistungserbringer werden benachrichtigt
Februar 2026 Benachrichtigung der Kunden beginnt
6. März 2026 Einreichung beim Generalstaatsanwalt von Maine bestätigt 3,4 Millionen Betroffene

Arten offengelegter Daten

Die Verweildauer von 317 Tagen (vom ersten Zugriff bis zur Erkennung) ist besonders alarmierend und unterstreicht die Notwendigkeit kontinuierlicher Überwachung und automatisierter Bedrohungserkennung. Cognizant geriet bereits nach dem Maze-Ransomware-Vorfall von 2020 und einem mit Scattered Spider verbundenen Angriff über seinen Helpdesk in die Kritik.


🦠 VOID#GEIST: Mehrstufige Kampagne mit dateiloser Malware

⚠️ Fortschrittliche dateilose Angriffskette

Forscher von Securonix haben VOID#GEIST dokumentiert, eine ausgefeilte mehrstufige Malware-Kampagne, die XWorm, AsyncRAT und Xeno RAT mithilfe dateiloser Ausführungstechniken einschleust.

Aufschlüsselung der Angriffskette

  1. Erstzugriff – Ein Batch-Skript wird über eine Phishing-E-Mail von einer TryCloudflare-Domain abgerufen
  2. Anzeige eines Köders – Chrome öffnet zur visuellen Ablenkung eine gefälschte Finanz-PDF im Vollbildmodus
  3. Verdeckte Ausführung – PowerShell führt das Batch-Skript mit -WindowStyle Hidden erneut aus
  4. Persistenz – Ablage im Autostart-Verzeichnis (keine Änderungen an der Registrierung, keine Rechteausweitung)
  5. Abruf der Schadlast – ZIP-Archive mit verschlüsseltem Shellcode und einem Python-Loader werden heruntergeladen
  6. Ausführung im Arbeitsspeicher – Die Python-Laufzeitumgebung entschlüsselt und injiziert den Shellcode mittels Early-Bird-APC-Injektion in explorer.exe

💡 Warum das wichtig ist

Die VOID#GEIST-Kampagne steht für eine breitere Verlagerung der Branche weg von eigenständigen ausführbaren Dateien hin zu modularen, skriptbasierten Bereitstellungs-Frameworks. Jede Stufe wirkt für sich genommen harmlos und ahmt legitime administrative Aktivitäten nach. Die Verwendung einer legitimen eingebetteten Python-Laufzeitumgebung von python.org beseitigt Abhängigkeiten und umgeht die Anwendungs-Positivliste.

Ausgelieferte Schadprogramme

RAT Funktionen Verschlüsselte Datei
XWorm Vollständiger Fernzugriff, Tastenprotokollierung, Bildschirmaufnahmen, Persistenz new.bin
AsyncRAT Asynchrone C2-Kommunikation, Erweiterbarkeit durch Plugins, Diebstahl von Zugangsdaten pul.bin
Xeno RAT Quelloffener RAT mit HVNC sowie Mikrofon-/Webcam-Zugriff xn.bin

🌐 Cisco SD-WAN & Rockwell ICS: Weitere aktiv ausgenutzte Schwachstellen

Cisco Catalyst SD-WAN

Cisco hat bestätigt, dass zwei kürzlich behobene Catalyst-SD-WAN-Schwachstellen – CVE-2026-20128 und CVE-2026-20122 – mittlerweile aktiv ausgenutzt werden. Organisationen mit betroffenen SD-WAN-Konfigurationen sollten die Patches umgehend installieren oder die empfohlenen Übergangslösungen umsetzen.

ICS-Schwachstelle bei Rockwell Automation

Eine ursprünglich 2021 offengelegte und entschärfte Schwachstelle bei Rockwell Automation wird nachweislich aktiv bei Angriffen auf industrielle Steuerungssysteme ausgenutzt. Dies verdeutlicht eine anhaltende Herausforderung in OT-/ICS-Umgebungen: Selbst wenn Patches verfügbar sind, werden sie aufgrund betrieblicher Einschränkungen und Bedenken hinsichtlich Ausfallzeiten häufig nicht installiert.

⚠️ ICS-/OT-Risiko

Wenn Ihre Organisation speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) von Rockwell betreibt, überprüfen Sie unverzüglich den Patch-Status. Die Fernausnutzung von ICS-Systemen kann zur Manipulation physischer Prozesse, zur Umgehung von Sicherheitssystemen und zu Betriebsunterbrechungen führen.


🔒 LeakBase-Forum geschlossen – 142.000 Nutzer

Eine positive Entwicklung: Das Cybercrime-Forum LeakBase wurde von Strafverfolgungsbehörden geschlossen und Verdächtige wurden festgenommen. Der Marktplatz für gestohlene Zugangsdaten war seit 2021 aktiv und hatte 142.000 registrierte Nutzer, die mit kompromittierten Zugangsdaten, personenbezogenen Daten und Datenbanken aus Sicherheitsvorfällen handelten.

Obwohl solche Abschaltungen vorübergehend für Störungen sorgen, zeigt die Erfahrung, dass abgewanderte Nutzer meist innerhalb weniger Wochen zu anderen Foren wechseln. Organisationen sollten dieses Zeitfenster nutzen, um:


🛡️ Empfohlene Maßnahmen

Für Sicherheitsteams in Unternehmen

  1. Patchen von Unternehmensprodukten priorisieren – VPN-Geräte, Firewalls und Sicherheitsprodukte sind heute vorrangige Zero-Day-Ziele
  2. Kontinuierliche automatisierte Scans einsetzen – Manuelle Schwachstellenbewertungen können mit mehr als 90 Zero-Days pro Jahr nicht Schritt halten
  3. Auf Muster dateiloser Ausführung achten – Suchen Sie nach ausgeblendeten PowerShell-Fenstern, Downloads von Python-Laufzeitumgebungen und Signaturen für APC-Injektionen
  4. Verweildauer reduzieren – Die 317-tägige Verweildauer beim TriZetto-Vorfall zeigt die Kosten einer verspäteten Erkennung
  5. ICS-/OT-Systeme patchen – Alte Schwachstellen in Rockwell- und vergleichbaren Systemen werden noch Jahre nach ihrer Offenlegung aktiv ausgenutzt

Für Organisationen im Gesundheitswesen

  1. Sicherheit von Webportalen prüfen – Der TriZetto-Vorfall nahm seinen Ursprung in einem Webportal, das Daten zur Versicherungsberechtigung verarbeitete
  2. Netzwerksegmentierung umsetzen – Begrenzen Sie den Schadensradius einer einzelnen Kompromittierung
  3. Verhaltensanalysen einsetzen – Erkennen Sie Muster unbefugter Zugriffe, insbesondere bei Datenbanken mit geschützten Gesundheitsinformationen
  4. Sicherheit von Drittanbietern überprüfen – Die Sicherheitslage Ihres Anbieters ist auch Ihre Sicherheitslage

Warten Sie nicht 317 Tage, bis Sie einen Sicherheitsvorfall erkennen

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