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Compliance & Regulierung 23. März 2026 9 Min. Lesezeit

EU-Parlament stimmt für Vereinfachung des AI Act und Verbot von Nudifier-Systemen — CRA-Durchsetzung beschleunigt sich, DORA-TLPT-Fristen rücken näher

Die Ausschüsse IMCO und LIBE des Europäischen Parlaments schlagen eine umfassende Vereinfachung des EU AI Act vor — einschließlich eines ausdrücklichen Verbots von AI-„Nudifier“-Systemen und klarerer Anwendungsfristen für Hochrisikoanforderungen. Gleichzeitig ist der Durchsetzungsapparat des Cyber Resilience Act nach der ersten Sitzung der Gruppe für Verwaltungszusammenarbeit nun einsatzbereit, und die Fristen für bedrohungsorientierte Penetrationstests gemäß DORA rücken für Finanzinstitute näher. Hier erfahren Sie alles, was sich diese Woche getan hat.

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🤖 EU-Parlament schlägt Vereinfachung des AI Act mit Nudifier-Verbot vor

Aktuell — AI-Nudifier-Systeme ausdrücklich verboten

Am 18. März 2026 einigten sich die Ausschüsse IMCO (Binnenmarkt) und LIBE (Bürgerliche Freiheiten) des Europäischen Parlaments auf Vorschläge zur Vereinfachung des EU AI Act und ergänzten zugleich ein ausdrückliches Verbot von AI-„Nudifier“-Systemen — Werkzeugen, die mithilfe künstlicher Intelligenz intime Bilder ohne Einwilligung erzeugen.

Dies ist die erste bedeutende gesetzgeberische Überarbeitung seit Inkrafttreten des AI Act und sendet ein klares Signal: Die EU ist bereit, die Komplexität der Regulierung anzupassen und zugleich ihre Haltung gegenüber schädlichen Anwendungen zu verschärfen.

Vorgeschlagene zentrale Änderungen

Was dies für Organisationen bedeutet

Wenn diese Vorschläge das gesamte Parlament und das Trilogverfahren durchlaufen, profitieren Organisationen von:

2. August 2026 — Frist für Hochrisiko-AI unverändert

Die Vereinfachungsvorschläge verschieben die Frist für die Compliance von Hochrisiko-AI-Systemen am 2. August 2026 nicht. Organisationen, die AI in kritischen Infrastrukturen, im Beschäftigungsbereich, bei der Strafverfolgung, im Bildungswesen oder bei wesentlichen Diensten einsetzen, müssen Risikobewertungen, Mechanismen zur menschlichen Aufsicht und technische Dokumentation eingerichtet haben. Es bleiben weniger als fünf Monate.


🏛️ CRA: Durchsetzungsinfrastruktur jetzt einsatzbereit

Nach der ersten Sitzung der Gruppe für Verwaltungszusammenarbeit am 20. März ist der Durchsetzungsapparat des Cyber Resilience Act nun vollständig aktiviert. Die nationalen Marktüberwachungsbehörden aller 27 Mitgliedstaaten koordinieren sich jetzt zu folgenden Themen:

ENISA-Umfrage zur Bereitschaft von KMU weiterhin geöffnet

Die gezielte Umfrage der ENISA für KMU zu Bekanntheit, Bereitschaft und Unterstützungsbedarf beim CRA, die am 18. März gestartet wurde, ist weiterhin geöffnet. Für Organisationen, die Produkte mit digitalen Elementen herstellen, ist dies sowohl ein Weckruf zur Compliance als auch eine Gelegenheit, die Unterstützungsangebote der EU mitzugestalten.

CRA-Frist im September 2026: Die Verpflichtungen zur Meldung von Schwachstellen und Vorfällen beginnen in sechs Monaten. Wenn Sie noch nicht mit Ihrem Produktinventar und der SBOM-Dokumentation begonnen haben, wird die verbleibende Zeit schnell knapp.


💶 Zyprische Ratspräsidentschaft legt digitale Prioritäten fest

Am 19. März stellten Minister der zyprischen Präsidentschaft des Rates der EU den Ausschüssen des Europäischen Parlaments ihre Prioritäten vor. Das vollständige Programm umfasst zwar mehrere Politikbereiche, doch die Prioritäten für Digitalisierung und Cybersicherheit sind besonders bemerkenswert:

Der Schwerpunkt der Ratspräsidentschaft auf der Umsetzung statt auf neuen Rechtsvorschriften ist bedeutsam. Der Regulierungsrahmen der EU (NIS2, DORA, CRA, AI Act, GDPR) ist weitgehend vollständig — die Herausforderung besteht nun in einer einheitlichen Durchsetzung in 27 Mitgliedstaaten mit sehr unterschiedlichen Cybersicherheitsreifegraden.


🔐 DORA: Compliance-Kontrollpunkt im 1. Quartal 2026

Der Digital Operational Resilience Act ist seit dem 17. Januar 2025 durchsetzbar. Finanzunternehmen sollten inzwischen eine aktive Compliance nachweisen. Zu den zentralen Aktivitäten im 1. Quartal 2026 gehören:

Bedrohungsorientierte Penetrationstests (TLPT)

Bedeutende Finanzinstitute müssen ihren ersten TLPT-Zyklus nach dem TIBER-EU-Rahmenwerk durchführen. Dabei handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Schwachstellenscan — TLPT umfasst informationsgestützte Red-Team-Übungen, die reale Techniken von Bedrohungsakteuren gegen kritische Produktionssysteme simulieren.

Risikomanagement für ICT-Drittanbieter

Finanzunternehmen müssen umfassende Register aller ICT-Drittdienstleister führen, einschließlich:

DORA-Durchsetzung ist aktiv

Anders als NIS2, das einige Mitgliedstaaten noch in nationales Recht umsetzen, gilt DORA unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Die Europäischen Aufsichtsbehörden (EBA, ESMA, EIOPA) können die Vorgaben durchsetzen und tun dies auch. Finanzunternehmen, die keine aktive Compliance nachweisen, riskieren bereits jetzt aufsichtsrechtliche Maßnahmen — nicht erst zu einem späteren Stichtag.


🌐 Digital Europe Programme für mehr Sicherheit umstrukturiert

Die Europäische Kommission gab am 19. März bekannt, dass das Digital Europe Programme umstrukturiert wird, um den sich wandelnden Anforderungen an die digitale Sicherheit besser gerecht zu werden. Zusammen mit der am 17. März eröffneten Horizon-Europe-Ausschreibung des ECCC über 56,2 Millionen € bedeutet dies erhebliche neue Fördermittel für Cybersicherheitsfähigkeiten:

Horizon-Europe-Ausschreibung über 56,2 Mio. € — jetzt bewerben

Die Horizon-Europe-Ausschreibung des ECCC ist eine der größten einzelnen Förderrunden für Cybersicherheitsforschung und -entwicklung in der EU. Förderfähig sind üblicherweise Forschungseinrichtungen, Start-ups und etablierte Unternehmen. Die Bewerbungsfrist beträgt normalerweise 90 Tage ab Bekanntgabe. Wenn Sie in der EU Cybersicherheitstechnologie entwickeln, sollten Sie diese Förderrunde ins Visier nehmen.


📊 Trends bei der GDPR-Durchsetzung — 1. Quartal 2026

Obwohl diese Woche keine richtungsweisenden GDPR-Geldbußen verhängt wurden, verschärft sich der allgemeine Durchsetzungstrend im 1. Quartal 2026 weiter:


🗓️ Bevorstehende regulatorische Fristen

DatumRegulierungMeilenstein
Juni 2026NIS2Niederlande: Frist für die Selbstbewertung von Unternehmen
2. Aug. 2026EU AI ActVerpflichtungen für Hochrisiko-AI-Systeme treten in Kraft
Sept. 2026CRAVerpflichtungen zur Meldung von Schwachstellen und Vorfällen beginnen
4. Quartal 2026DORAAbschluss des ersten TLPT-Zyklus für bedeutende Unternehmen
2027EU AI ActVerpflichtungen für AI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck gelten
Dez. 2027CRAVollständige Produktkonformität erforderlich

✅ Compliance-Maßnahmen für diese Woche

  1. EU AI Act: Verfolgen Sie die Vereinfachungsvorschläge des Parlaments. Prüfen Sie alle Werkzeuge zur AI-Bilderzeugung oder -bearbeitung anhand des vorgeschlagenen Nudifier-Verbots. Stellen Sie sicher, dass Ihr Compliance-Fahrplan für Hochrisikosysteme bis zum 2. August 2026 im Zeitplan liegt.
  2. CRA: Die Gruppe für Verwaltungszusammenarbeit ist aktiv — die Durchsetzung ist real. Beginnen Sie jetzt mit der SBOM-Dokumentation und den Produktsicherheitsbewertungen. Bis zur Meldefrist im September 2026 bleiben sechs Monate.
  3. DORA: Finanzinstitute müssen überprüfen, ob die Festlegung des TLPT-Umfangs läuft. Vervollständigen Sie die Risikoregister für ICT-Drittanbieter. Stellen Sie sicher, dass die Vorfallmeldung die standardisierten Vorlagen der ESA verwendet.
  4. NIS2: Nutzen Sie die Methodik für Cybersicherheitsübungen der ENISA, um interne Testfähigkeiten aufzubauen. Aktualisieren Sie Risikobewertungen, sodass staatlich unterstützte Angriffe auf verschlüsselte Kommunikationsdienste berücksichtigt werden (FBI-Warnung von letzter Woche).
  5. Fördermittel: Prüfen Sie die Horizon-Europe-Ausschreibung des ECCC über 56,2 Mio. € für Cybersicherheitsforschung und -entwicklung. Das Bewerbungsfenster ist begrenzt.
  6. GDPR: Überprüfen Sie die Praktiken für AI-Trainingsdaten. Prüfen Sie die Umsetzung der Cookie-Einwilligung auf die Einhaltung der Vorschriften zu manipulativen Mustern. Bewerten Sie die Verarbeitung von Kinderdaten im Kontext der vorgeschlagenen Änderungen am AI Act.

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