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Compliance & Vorschriften Analyse 9. März 2026 11 Min. Lesezeit

Security-by-Design-Leitlinien für 6G veröffentlicht, Insider-Risiken durch AI erreichen kritisches Niveau, Zero-Days in Unternehmenssoftware auf Rekordhoch — Überblick über Sicherheitsvorschriften

Sieben westliche Staaten veröffentlichen Security-by-Design-Grundsätze für 6G-Netze, noch bevor die Standards endgültig festgelegt sind. Mimecast berichtet, dass AI-gestützte Insider-Bedrohungen zu einer „kritischen Geschäftsbedrohung“ geworden sind — 42 % der Unternehmen verzeichneten sowohl bei böswilligen als auch bei fahrlässigen Insider-Vorfällen einen Anstieg. Googles Threat Intelligence Group erfasste 2025 insgesamt 90 Zero-Days, wobei Unternehmenssoftware inzwischen das primäre Ziel darstellt. Microsoft reagiert mit neuen DLP-Kontrollen auf Bedenken hinsichtlich Datenlecks durch Copilot. Und eine Gemini-AI-Schwachstelle mit hohem Schweregrad in Chrome wirft neue Fragen zur AI-Sicherheit im Rahmen des EU AI Act auf. Hier erfahren Sie, worauf Regulierungs- und Compliance-Teams diese Woche reagieren müssen.


📡 GCOT veröffentlicht Security-by-Design-Grundsätze für 6G

Die Global Coalition on Telecoms (GCOT) — bestehend aus Australien, Kanada, Finnland, Japan, Schweden, dem Vereinigten Königreich und den USA — veröffentlichte auf dem Mobile World Congress 2026 in Barcelona freiwillige Grundsätze für Sicherheit und Resilienz von 6G. Branchenpartner wie AT&T, BT, Ericsson, NVIDIA, Nokia, Qualcomm, Samsung und Vodafone unterstützten das Rahmenwerk.

Warum dies wichtig ist, bevor 6G überhaupt existiert

Da die kommerzielle Einführung von 6G nicht vor 2029–2030 erwartet wird, ist dies einer der frühesten Fälle, in denen eine Security-by-Design-Regulierung der von ihr geregelten Technologie vorausgeht. Die Koalition kam zu dem Ergebnis, dass 6G stärker virtualisierte Netzwerkfunktionen, disaggregierte Architekturen mit standardisierten Schnittstellen und eine native AI-Integration mit sich bringen wird — wodurch jeweils neue Angriffsflächen entstehen, die auf Standardisierungsebene berücksichtigt und nicht erst nach der Bereitstellung nachgerüstet werden müssen.

Die acht Grundsätze

GCOT definierte vier Sicherheits- und vier Resilienzziele:

KategorieGrundsatzZentrale Anforderung
SicherheitEindämmungAusbreitung böswilliger Akteure im Netzwerk begrenzen
SicherheitVertraulichkeitPrivacy-by-Design für Benutzerdaten und Schutz vor Abhören
SicherheitIntegritätGewährleistung der Datenintegrität während der Netzwerkübertragung und innerhalb der Infrastruktur
SicherheitZugriffskontrolleAuthentifizierung und Autorisierung für alle Netzwerkkomponenten
ResilienzDienstkontinuitätVerfügbarkeit auch unter schwierigen Bedingungen aufrechterhalten
ResilienzLieferketteMulti-Vendor-Sicherheit mit Absicherung vertrauenswürdiger Lieferanten
ResilienzPhysische SicherheitWiderstandsfähigkeit gegen physische und umweltbedingte Bedrohungen
ResilienzWiederherstellungSchnelle Wiederherstellung nach Sicherheitsvorfällen oder Störungen

Übereinstimmung mit regulatorischen Vorgaben

Diese Grundsätze lassen sich direkt bestehenden und kommenden EU-Vorschriften zuordnen:

Fazit für die Compliance

Telekommunikationsbetreiber und Hersteller von Netzwerkausrüstung sollten bereits jetzt damit beginnen, die GCOT-Grundsätze ihren bestehenden NIS2- und CRA-Compliance-Programmen zuzuordnen. Wenn die 6G-Standards durch 3GPP endgültig festgelegt werden, verfügen Unternehmen, die Security-by-Design in ihren Entwicklungsprozessen verankert haben, über einen erheblichen Compliance-Vorsprung. Dies ist die seltene Gelegenheit, regulatorische Erwartungen mitzugestalten, bevor sie verbindlich werden.


🤖 AI-gestütztes Insider-Risiko: eine „kritische Geschäftsbedrohung“

42 % der Unternehmen melden zunehmende Insider-Bedrohungen

Mimecasts State of Human Risk Report 2026, der auf einer Befragung von 2.500 IT-Sicherheitsverantwortlichen in Nordamerika, Europa, Südostasien und Australien basiert, kommt zu dem Ergebnis, dass Insider-Risiken ein kritisches Niveau erreicht haben — maßgeblich verursacht durch den Missbrauch von AI-Werkzeugen durch Beschäftigte und durch Angreifer, die AI für wirkungsvolleres Social Engineering einsetzen.

Wichtigste Erkenntnisse

Auswirkungen des EU AI Act

Das risikobasierte Rahmenwerk des EU AI Act ist für AI-gestützte Insider-Bedrohungen unmittelbar relevant:

Anforderungen aus NIS2 und DORA

Insider-Bedrohungen fallen ausdrücklich in den Anwendungsbereich beider Rahmenwerke:

Handlungsbedarf

Unternehmen sollten umgehend prüfen, welche AI-Werkzeuge ihre Beschäftigten verwenden (Schatten-AI), DLP-Kontrollen für AI-gestützte Datenzugriffe implementieren und ihre Ausgangswerte zur Erkennung von Insider-Bedrohungen aktualisieren. Im Rahmen von NIS2 und DORA gilt: Wer bekannte Muster AI-gestützter Insider-Risiken nicht berücksichtigt, weist inzwischen eine Compliance-Lücke auf. Nehmen Sie Szenarien zum Missbrauch von AI in Ihre nächste Planspielübung auf.


🎯 Zero-Days in Unternehmenssoftware erreichen mit 90 Fällen im Jahr 2025 ein Rekordhoch

Unternehmenssoftware ist jetzt das primäre Ziel

Die Google Threat Intelligence Group (GTIG) berichtete, dass 90 Zero-Day-Schwachstellen im Jahr 2025 aktiv ausgenutzt wurden — gegenüber 78 im Jahr 2024. Die entscheidende Verschiebung: 48 % richten sich inzwischen gegen Unternehmenssoftware und Appliances, gegenüber 46 % im Jahr 2024, wobei Sicherheits- und Netzwerkprodukte am stärksten betroffen sind.

Die Verlagerung auf Unternehmen

Googles Analyse zeigt einen strukturellen Wandel der Bedrohungslandschaft:

Weitere Erkenntnisse von GTIG

Regulatorische Auswirkungen

RahmenwerkAnforderungAuswirkungen des Zero-Day-Anstiegs
NIS2Art. 21(2)(e) — Behandlung von SchwachstellenWesentliche Einrichtungen müssen über Prozesse zur Erkennung, Triage und Notfallbehebung von Zero-Days in Unternehmensinfrastrukturen verfügen
DORAArt. 9 — IKT-RisikomanagementFinanzunternehmen müssen Zero-Day-Szenarien für Unternehmenssysteme in Risikobewertungen aufnehmen und Verfahren für Notfall-Patches vorhalten
CRAArt. 11 — Meldung von SchwachstellenProdukthersteller müssen ab September 2026 aktiv ausgenutzte Schwachstellen innerhalb von 24 Stunden melden
EU AI ActArt. 15 — Genauigkeit, Robustheit, SicherheitAI-Systeme müssen gegen Ausnutzung widerstandsfähig sein — die Gemini-Chrome-CVE zeigt, dass AI-Komponenten neue Schwachstellenklassen schaffen

Fazit für die Compliance

Die Verlagerung auf Zero-Days, die Unternehmenssysteme angreifen, bedeutet: Ihre Sicherheitsinfrastruktur selbst ist jetzt die primäre Angriffsfläche. NIS2- und DORA-Compliance-Programme müssen konkrete Verfahren für die Reaktion auf Zero-Days in Sicherheits-Appliances enthalten, nicht nur auf klassischen Endgeräten. Unternehmen sollten eine Netzwerksegmentierung implementieren, die von einer möglichen Kompromittierung der Sicherheits-Appliances ausgeht, und eine unabhängige Überwachung für Edge-Geräte einführen.


🛡️ Microsoft-Copilot-Datenschutz: AI-Governance in der Praxis

Microsoft kündigte neue Kontrollen zur Verhinderung von Datenverlusten (DLP) für Microsoft 365 Copilot an und reagierte damit auf zahlreiche Kundenbeschwerden, wonach Copilot vertrauliche Informationen in seine AI-generierten Berichte aufnahm. Die neuen Kontrollen erweitern DLP-Richtlinien auf lokal gespeicherte Dateien — zuvor schützte DLP nur Dateien, die in OneDrive und SharePoint gespeichert waren.

Was sich geändert hat

Das Kernproblem: Der AI-Assistent Microsoft 365 Copilot konnte auf Dateien zugreifen und diese verarbeiten, die lokal auf den Geräten der Benutzer gespeichert waren, selbst wenn DLP-Richtlinien dieselben Dateien in OneDrive und SharePoint beschränkten. Diese Lücke führte dazu, dass vertrauliche Dokumente — die durch DLP-Regeln als sensibel gekennzeichnet waren — in von Copilot erzeugten Berichten ohne jegliche Schutzmaßnahmen zusammengefasst, zitiert oder erwähnt werden konnten.

Regulatorische Bedeutung

Dieser Vorfall veranschaulicht ein regulatorisches Muster, das Compliance-Teams verinnerlichen müssen:

Handlungsbedarf

Warten Sie nicht bis April. Überprüfen Sie Ihren Copilot-Einsatz jetzt, um festzustellen, welche vertraulichen Daten möglicherweise bereits ohne DLP-Schutz verarbeitet wurden. Wenn personenbezogene Daten durch die DLP-Lücke von Copilot offengelegt wurden, könnte gemäß GDPR Artikel 33 eine meldepflichtige Datenschutzverletzung vorliegen. Dokumentieren Sie Ihre Bewertung und alle kompensierenden Kontrollen für Ihre Aufsichtsbehörde.


⚠️ Gefälschte AI-Browsererweiterungen: Lücke im Verbraucherschutz

Bösartige „AI“-Erweiterungen überschwemmen App-Stores

Sicherheitsforscher bestätigten einen wachsenden Trend zu bösartigen Browsererweiterungen, die sich als AI-Produktivitätswerkzeuge ausgeben, in großen App-Stores erscheinen und die anfänglichen Prüfverfahren erfolgreich umgehen. Diese Erweiterungen bieten einen Teil der erwarteten AI-Funktionen, sammeln dabei jedoch heimlich Benutzerdaten, Zugangsdaten und Browserverläufe.

Die regulatorische Lücke

Dieser Trend legt kritische Lücken in bestehenden regulatorischen Rahmenwerken offen:

Empfehlung für Unternehmen

Implementieren Sie in allen Unternehmensumgebungen eine Zulassungsliste für Browsererweiterungen. Gemäß NIS2 Artikel 21(2)(i) müssen Unternehmen sicherstellen, dass Beschäftigte auf Unternehmensgeräten keine ungeprüften Erweiterungen installieren können. Führen Sie eine Liste genehmigter Erweiterungen und blockieren Sie alle anderen per Gruppenrichtlinie. Die Governance von AI-Werkzeugen ist heute eine Sicherheitskontrolle und keine bloße IT-Annehmlichkeit.


📅 Regulierungskalender: wichtige bevorstehende Termine

DatumRahmenwerkMeilenstein
11. März 2026Patch-DienstagMicrosoft-Veröffentlichung für März 2026 — bereiten Sie sich nach 90 Zero-Days im Jahr 2025 auf umfangreiche Patches vor
April 2026MicrosoftLokaler DLP-Dateischutz für Copilot wird standardmäßig aktiviert — prüfen Sie, ob Ihre DLP-Richtlinien alle Datenkategorien abdecken
2. Mai 2026EU AI ActTransparenzpflichten für GPAI-Modelle treten in Kraft — AI-Anbieter müssen Zusammenfassungen der Trainingsdaten veröffentlichen
2. August 2026EU AI ActAnforderungen an Hochrisiko-AI-Systeme werden durchsetzbar (Artikel 6–49) — vollständige Compliance-Struktur erforderlich
11. September 2026CRAVerpflichtende Meldung aktiv ausgenutzter Schwachstellen beginnt — Benachrichtigung innerhalb von 24 Stunden erforderlich
17. Oktober 2026NIS2Frist für die Umsetzung durch die Mitgliedstaaten — alle 27 EU-Staaten müssen NIS2 in nationales Recht umgesetzt haben
2029–2030GCOT/6GErwartete erste kommerzielle Einführung von 6G — Security-by-Design-Grundsätze müssen bis dahin in den Standards verankert sein

🔑 Wichtigste Erkenntnisse für Compliance-Teams

  1. Die Sicherheitsstandards für 6G werden jetzt gestaltet. Die acht Grundsätze von GCOT setzen Erwartungen, die zu verbindlichen Anforderungen werden. Telekommunikationsbetreiber und Gerätehersteller sollten ihre Security-by-Design-Prozesse schon heute an diesen Grundsätzen ausrichten — wer auf endgültige Standards wartet, muss später aufholen.
  2. AI-gestützte Insider-Risiken sind eine Compliance-Verpflichtung und kein reines Personalthema. Da 42 % der Unternehmen einen Anstieg AI-gestützter Insider-Bedrohungen melden, müssen NIS2- und DORA-Compliance-Programme konkrete Kontrollen für die Governance von AI-Werkzeugen umfassen — Prüfungen auf Schatten-AI, DLP für AI-gestützte Zugriffe und Ausgangswerte für Insider-Bedrohungen, die AI-Fähigkeiten berücksichtigen.
  3. Ihre Sicherheitsinfrastruktur ist das Ziel. Googles Feststellung von 90 Zero-Days, von denen sich fast die Hälfte gegen Sicherheits- und Netzwerk-Appliances in Unternehmen richtete, bedeutet, dass Schwachstellenmanagementprogramme die zu Ihrem Schutz vorgesehenen Werkzeuge priorisieren müssen. Gehen Sie von einer Kompromittierung der Edge-Geräte aus und implementieren Sie eine unabhängige Überwachung.
  4. Die DLP-Lücke von Microsoft Copilot ist ein Vorgeschmack auf Fehler bei der AI-Governance. Unternehmen, die AI-Produktivitätswerkzeuge einsetzen, ohne deren Datenverarbeitungskontrollen zu überprüfen, riskieren eine Haftung nach GDPR, EU AI Act und NIS2. Überprüfen Sie den Datenzugriff Ihrer AI-Werkzeuge, bevor Regulierungsbehörden Fragen stellen.
  5. Gefälschte AI-Erweiterungen sind eine Krise für den Verbraucherschutz. Bis die Durchsetzung von DSA und CRA aufgeholt hat, ist eine Zulassungsliste für Browsererweiterungen der einzige zuverlässige Schutz für Unternehmen. Implementieren Sie sie jetzt.
  6. Die Vorbereitung auf den Patch-Dienstag ist nicht optional. Nach einem Rekordjahr bei Zero-Days in Unternehmenssystemen weisen DORA- und NIS2-Einrichtungen ohne dokumentierte und getestete Verfahren für Notfall-Patches ein Compliance-Defizit auf, das Aufsichtsbehörden erkennen werden.

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Veröffentlicht vom KENSAI Security Research Team — 9. März 2026

Quellen: GCOT, Regierung des Vereinigten Königreichs, Google GTIG, Mimecast, Palo Alto Networks, Microsoft, Help Net Security, Infosecurity Magazine, ENISA

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